Schnittarbeiten im Winter

von am 24. November 2014 in Pflege

Schnittarbeiten im Winter

Im Winter müssen zahlreiche Pflanzen, Sträucher und Bäume geschnitten werden. Die Schneidearbeiten sind aus verschiedenen Gründen unverzichtbar. Neben Rosen und Cornus gibt es viele weitere Pflanzen zum Schneiden. Im heutigen Beitrag eine Übersicht mit vielen Tipps und Empfehlungen zum idealen Zeitpunkt, Werkzeugen und Co.

Gründe für Schnittarbeiten

Damit ihr wisst, warum ihr euch überhaupt die Mühe machen solltet, habe ich euch nachfolgend einige Faktoren zusammengetragen, die Schnittarbeiten notwendig machen:

  • Wuchsform wird optimiert
  • Damit Triebe nicht verholzen und Jungtriebe besser blühen
  • ohne regelmäßigen Schnitt werden Krankheiten begünstigt: mangelnde Lichtverhältnisse und schlechte Belüftung durch kranke Äste/Pflanzteile sowie abgestorbene Elemente sorgen dafür
  • Die Blüte wird dadurch ebenfalls gehemmt
  • bei Bäumen wird durch „Ausdünnen“ der Baumkrone die Lufttirkulation gefördert. Blätter und Äste trocknen schneller, Pilzbefall wird vorgebeugt
  • Früchte werden schmackhafter weil der Lichteinfall optimiert wird, der für die Reife wichtig ist

Zeitpunkt und Schnitt

Viele von euch fragen sich sicherlich wann was geschnitten werden muss. Schließlich gibt es im Garten dutzende von Pflanzen, die generell unterschiedliche Anforderungen an die Pflege stellen. Doch wie so oft, gibt es gewisse Faustregeln, die es erleichtern den Überblick zu behalten. Daher habe ich mich mal schlau gemacht und zwei wesentliche Orientierungspunkte aufgestellt:

  • Spätherbst-/Winter-/Frühjahrsschnitt bis Mitte März (allerdings nur bei frostfreien Temperaturen, ansonsten riskiert ihr Schäden an den Pflanzen)
  • Sommerschnitt Ende Juli

Diese Faustregel kann man auf sehr viele Pflanzen anwenden, weil sie sich in Sachen Wuchs ähneln. Ein Tipp am Rande: Obstbäume neigen zu sehr schweren Ästen aufgrund starken Wachstums. Schneidet sie im Februar, dann sind noch keine Knospen ausgetrieben. Eure Bäume enthalten Äste die senkrecht nach oben wachsen? Die könnt ihr direkt abschneiden, weil sie keinerlei Funktion haben. Sie werden keine Früchte tragen! Bei jungen Obstbäumen sollte im Frühjahr generell ein Rückschnitt erfolgen. Damit könnt ihr die Formgebung beeinflussen und ein gesundes Wachstum fördern. Ein jährlicher Winterschnitt wirkt sich positiv auf Gesundheit, Vitalität und Fruchtqualität aus.

Cornus

Bei immergrünen Hecken ist es ratsam ab Ende August vorerst nicht mehr grob zu schneiden. Formschnitte sind weiterhin ok, aber kein grobes Stutzen. Denn der Neutrieb, der dadurch ausgelöst wird, braucht seine Zeit. Ein rechtzeitiges Ausreifen ist nicht möglich. Erst wenn die Ruhephase der Pflnazen eingetreten ist, was im Spätherbst der Fall ist, sind Rückschnitte wieder in Ordnung.

Grundsätzlich gibt es gewisse Ausnahmen. Darunter:

  • Einige Pflanzen, wie beispielsweise die Weinrebe kann ausbluten wenn man sie im Frühjahr zu spät schneidet. Sobald die Pflanzen nämlich ihren „Saft“ bilden, würde ein Schnitt das Aus für sie bedeuten. Sie bluten quasi aus und gehen schon bald ein. Diese Pflanzen sollten spätestens Ende Februar geschnitten werden. Walnuss-Bäume erfordern ebenfalls einen anderen Zeitpunkt. Sie werden im Idealfall im Juli oder nach der Ernte im Herbst geschnitten.
  • Bei Hecken, Bäumen und anderen größeren Schnittarbeiten müsst ihr den Vogelschutz im Auge behalten. Zwischen März und September dürfen keine großen Rückschnitte erfolgen. Formschnitte und Pflegeschnitte sind jedoch ok. Diese Vorschrift wurde aufgestellt um die Vögel zu schützen. Würde jeder auch in dieser Zeitspanne grobe Schnittarbeiten durchführen, wären viele Nistplätze verloren, die extrem wertvoll für den Erhalt der Arten sind.
  • Zwiebelblumen: die Blätter enthalten wertvolle Nährstoffe, die nach und nach zurück in die Zwiebeln fließen. Schneidet ihr sie ab geht der Pflanze elementare Energie verloren. Die Blütenstiele könnt ihr aber sorgfältig abschneiden.

Übrigens: Schneidearbeiten führt man am besten bei trockener Witterung durch. Laubwerfende Pflanzen schneidet ihr am besten wenn das Laub vollständig abgefallen ist. Dann habt ihr optimale Übersicht.

Generell sollten folgende Bestandteile entfernt werden:

  • tote, beschädigte und dürre Triebe
  • Triebe die überkreuz wachsen
  • Triebe die nach innen wachsen
  • Triebe und Äste, die die gesunde Wuchsform stören (entfernt euch von der Pflanze um dies besser sehen zu können)
  • Triebe die zu dicht aneinander liegen
  • Wasserschoss

Werkzeuge – Tipps zu Nutzung und Kauf

Sägen, Schnittwerkzeuge und Co. sollten immer schön scharf sein. Ansonsten könnt ihr Pflanzen an Ästen und Stämmen stark beschädigen. Es kommt zu Quetschungen. Diese verheilen schlecht und mindern das Wachstum sowie Blüte. Auch Krankheiten sind durch solche Schwachstellen möglich. Die kleine Übersicht soll euch beim Auswählen des richtigen Werkzeugs für Schneidearbeiten helfen:

bei Sträuchern, Rosen und Co. mit weniger starken Ästen:

  • kleinere und feinere Äste: ergonomische Handschere für komfortables Arbeiten
  • grobe und dicke Äste: Astschere

Für Hecken:

  • Heckenschere

bei Bäumen:

  • feine Äste: Einhand- oder Zweihandbaumscheren
  • Äste in großer Höhe: „Schneidegiraffe“ als Verlängerung, dabei handelt es sich um eine Astschere mit Teleskopgriff
  • große, dicke Äste: Astsäge

Abschneiden

Beim Kauf von Schnittwerkzeugen rate ich euch: Finger weg von Billigware. Ich selbst habe mir auch schon die eine oder andere billige Handschere gekauft und es jedes Mal bereut. Einmal wäre mir sogar fast eine Feder ins Auge geschossen, weil eine der billigen Vertreter von Gartenscheren sich während der Arbeit in ihre Einzelteile aufgelöst hat. Zudem lässt die Schnittqualität zu wünschen übrig. Das Ergebnis sind kranke Äste. Investiert also  lieber etwas mehr und habt aber dafür länger Freude daran.  Testet die Gerätschaften am besten und probiert sie in der Hand aus. Nicht jede Schere oder Säge liegt gut in der Hand. Auch die Kraftübertragung sollte möglichst ideal sein. Achtet darauf, dass das Werkzeug nicht zu schwer ist und sich gut bedienen lässt. Bei elektronischen Schnittwerkzeugen sollte ein Handschutz vorhanden sein. Klingen sollten sich sicher arretieren lassen. Eine Sicherheitsabstellung des Motors ist ein Muss.

Schweres Geschütz: Kettensägen

Nicht immer ist es mit Astschere und Astsägen getan. Müssen ganze Bäume gefällt oder sehr große Äste geschnitten werden, ist schweres Geschütz gefragt. Kettensägen sind dann die beste Lösung. Beim Kaufen von Kettensägen für den Privatgebrauch sollten Schwertlängen zwischen 35 und 40 Zentimeter gut ausreichen. Geht es um das Fällen eines dicken Baumes mit starkem Stamm sollte die Maschine zwei bis drei PS vorweisen. Ansonsten reicht eine Pferdestärke. Achtet auf das Gewicht. Zu schwere Maschinen erschweren auch die Arbeit.

Da Kabel bei Schneidearbeiten stören, solltet ihr zu einer akkubetriebenen Kettensäge oder einem Benziner greifen. Bedenkt aber, dass Elektrosägen weitaus leiser sind, als Benziner. Auch hier gilt wieder: Lieber Qualität statt Billigangebot. Ihr profitiert von Langlebigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Bei Markenware wie beispielsweise von der namhaften Firma Stihl habt ihr zudem den Vorteil, dass ihr passende Sägeketten nachkaufen könnt. Bei Modellen aus dem Discounter ist das in der Regel nie der Fall. Kaufen könnt ihr derartige Ersatzteile wie beispielsweise Stihl Sägeketten bei zahlreichen Onlineshops wie flexparts.de. Dort bekommt ihr auch für andere Marken wie Husqvarna oder Dolmar Sägeketten für verschiedene Modelle präsentiert. So könnt ihr eure Marken-Kettensägen auch nach Jahren mit passenden Teilen ausstatten ohne gleich ein neues Gerät kaufen zu müssen. Dieses Details ist nicht zu unterschätzen: Denn oft braucht man bei Kettensägen unterschiedliche Sägeketten abhängig von der bevorstehenden Arbeit. Das kann bei billigen Maschinen nach hinten los gehen, weil die entsprechende Kette für gewisse Arbeiten nicht geeignet ist. Auch wenn die Montage ohne Probleme funktioniert: Wird die falsche Kette verwendet, kann das gefährliche Folgen für euch haben.

Wichtiger Tipp für Anfänger zum Schluss:  Mit der Spitze des Sägeschwertes einer Kettensäge dürft ihr nie sägen! Das Risiko, dass sich die Sägezähne im Holz verkeilen ist enorm hoch. Der Effekt der dann zustande kommt, nennt sich „Kickback“. Die Säge wird automatisch und ruckartig Richtung Oberkörper und Gesicht katapultiert. Die Kette wird gebremst, aber Verletzungen sind durchaus möglich. Außerdem immer Augen- und Ohrenschutz sowie Schnittschutzhosen und entsprechendes Schuhwerk tragen, wenn ihr mit Kettensägen arbeitet. Auch kleinste Geräte können euch schlimm verletzen.

Säuberung/Pflege von Kettensägen

Kettensägen sollten nach jedem Einsatz gereinigt werden, damit sie beim nächsten Mal ordnungsgemäß und gefahrlos funktionieren. Sicherheitseinrichtungen wie Handschutz und Kettenfangbolzen sollten jedes Mal überprüft werden. Verschmutzungen an Schwertlängen, Kette und Gehäuse rundum entfernen. Am besten mit einem weichen Tuch. Der Luftfilter ist regelmäßig zu säubern. Schließlich braucht das Gerät saubere und ausreichend Luft um leistungsstark zu bleiben. Entdeckt ihr am Schwert Schäden und Risse muss es ausgetauscht werden. Praktische Tipps zur Pflege von Motorsägen habe ich im Praxistip unter kwf-online.org entdeckt. Dort findet ihr weitere Hinweise.

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